Olympus LS-5 (LS-11) vs. Sony ICD-SX750

So, vor einiger Zeit habe ich den Olympus LS-5 gekauft (bis auf die Farbe und die Größe des eingebauten Speichers ist der LS-5 identisch mit dem Olympus LS-11).

Wie hier schon beschrieben habe ich nach einem Ersatz für Sony ICD-SX750 gesucht. Nachdem der erste Versuch mit Tascam DR-07 sich als ein Schuss in den Ofen entpuppte, habe ich ein wenig drauf gelegt und mir den Olympus geholt. Wie der sich bisher gegen den Sony verteidigt hat, darüber schreibe ich heute.

Allgemein

Ich bin ja kein Musiker. Ich habe die gerade die erste Stufe der musikalischen Ausbildung erreicht, ich kann also erkennen, ob es gespielt wird, oder nicht.

Ich bin ein Fotograf. Manchmal drehe ich auch ein Video auf einem Urlaub, oder von einer anderen Feier. Und da kommt der Knack: Sehr, sehr oft habe ich am Ende ein Stück Tonspur, oder einfach ein Geräusch, was zur Ergänzung einen Dia-shows fehlte, vermisst. Naja, eine Kamera kann man schlecht die ganze Zeit drehen lassen und ein Foto nimmt erst gar kein Ton auf. Also über kurz oder lang musste ein Tonrekorder her.

Zuerst habe ich mir es mit einem Diktiergerät probiert, der lieferte einen sehr schönen Ton (für ein Diktiergerät auf jedem Fall), hat aber einige kleine Nachteile gehabt (z.B. nur den eingebauten Speicher). Darüber aber schreibe ich weiter.

Zuerst habe ich bei Thomann einen Tascam DR-07 gekauft. Gleich nach dem Auspacken wurde ich belehrt, wie mich der Sony-Rekorder verwöhnt hat. Das Teil rauschte wie eine Kaskade. Die Menüführung erinnerte an Software aus der Commodore C-64 Zeit und das an iPod angelehnte Drehrad reagierte wackelig auf die Eingaben. Das Gerät ging Retoure an Thomann und ich habe mir den LS-5 bestellt. Auch bei Thomann – der Kundendienst war einfach hervorragend.

Ist das Teil jetzt besser als das Diktiergerät von Sony? Teilweise. Lesen Sie weiter.

Technisches über Eingänge

Man hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass alle Herstellerangaben mit Vorsicht zu genießen sind. Olympus schreibt über das Gerät folgendes:

Input level:
MIC SENSE HIGH/LOW switch is set to [HIGH]:
- 59 dBv
MIC SENSE HIGH/LOW switch is set to [LOW]:
- 39 dBv
LINE IN jack input:
- 6 dBv

Nun, was soll man jetzt bitte als Input Level verstehen? Ist das der Pegel, bei dem Clipping kommt, oder ist er noch mit ‘Headroom’ gepolstert? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, also, Funktionsgenerator (Agilent 33250A) her und schauen wir mal, was rauskommt.
ACHTUNG Mathe!

Zuerst die Empfindlichkeit

Der Olympus hat eine dB Skala. Eigentlich ist sie als auf FSR (Full Scale Range, Vollausschlag) bezogen zu verstehen, d.h. bei über 0 dB FSR clippen (verzerren) die AD-Wandler die Spitzen des Signals.
Mit dem tatsächlich anliegendem Eingangspegel (Spannung) hat die Anzeige in allgemeinem recht wenig zu tun. Man kann aber den Zusammenhang über ein Test wieder herstellen. So ermittelter Zusammenhang gilt natürlich nur für eine bestimmte Stellung des Aufnahmepegelreglers.

Bei voll aufgedrehtem Aufnahmepegelregler (Poti auf 10) ein Signal mit ca. 1V RMS bringt die Anzeige auf 0dB und das Warnleuchte zum Blinken. Eine halbe dB tiefer (bei 950mVrms) springt die Anzeige auf -1dB und verhält sich ab dort so weiter bis -42dB – linear bis geht nicht mehr. Also – vorausgesetzt das Pegel-Poti steht auf 10 – die Anzeige kann direkt in dBV interpretiert werden (auf 0.5dB genau). Das ist erst mal schön, da so hat man zur Not auch eine absolute Pegelmessung in dBV (nicht mit dBv verwechseln!).

Wie steht jetzt aber die Anzeige zum aufgenommenem Signal?

Eine Sinusoide mit 775mVrms aufgezeichnet in WAV hat einen (digitalen) RMS-Wert von 0.58 und Amplitude 0.821 (1 = Vollausschlag). Rechnen wir jetzt nach:
Da maximale Amplitude bei 1 liegt, das aufgezeichnete Signal hat ein Headroom vom 20*log10(1/0.821) = 1.71dB.
Das bedeutet, dass Clipping kommt bei 775mVrms + 1.71dB = 775 · 10^(1.71/20) = 944mV
Das bedeutet, dass sobald die dB-Anzeige auf 0dB kommt und die Clip-LED leuchtet hat man Clipping im Kasten.

Nun aber zu den Angaben wegen Eingangsempfindlichkeit. Dem Test nach, clippt die Aufnahme bei 950mV, also bei -0.5dBV = 1.77dBv. Olympus spezifiziert die Eingangsempfindlichkeit bei -6dBv = , also 7.77dB tiefer. Das bedeutet, dass bei dem Nennpegel man noch fast 8dB Headroom hat.

Und was mit dem Mikrofoneingang?

Bei Mic Sense auf Low und Low Cut auf off bringt ein Sinus mit 10mV RMS den gleichen Ausschlag, wie 775mV über line-in. Clipping kommt also bei ca. 12.2mV

12.2mVrms = -36dBv

Olympus spezifiziert die Empfindlichkeit hier bei -39dBv, also bei Nennpegel hat man noch 3dB “Luft”.

Das Umschalten des Vorverstärkers auf “High” bringt zusätzliche 20dB Verstärkung (und mindestens soviel Rauschen) mit sich. Genau habe ich hier nicht nachgemessen, da mir eine rauscharme, niederimpedante Quelle mit 1mVrms nicht zur Verfügung stand.

Verglichen mit dem Sony ICD-SX750

Der ICD-SX750 hat eine digitale Pegeleinstellung, die von 0 bis 30 geht. Die ist leider nicht ganz dB-linear, aber als Anhaltspunkte habe ich gemessen:
30 = 17dB mehr, als 20.
20 = 10dB mehr, als 10.

Line-in:
Bei der Einstellung “30”, also maximaler Verstärkung, reichen 115mVrms (-16.5dBv) um die Anzeige auf -1dB zu bringen.
Bei der Einstellung “20” braucht man 775mVrms, also 0dBv
Bei der Einstellung “10” braucht man +8dBV, 2.5Vrms, oder +10.2dBv um auf -1dB zu kommen
(der Sony zeigt die ‘0dB’ nicht direkt an, nach -1dB kommt “OVER” und hängt eine längere Zeit, deswegen habe ich mich an -1dB orientiert, wo die Skala noch dynamisch arbeitet).

Mikrofoneingang:
Der Mikrofoneingang zeigt bei der Einstellung “20” und 10mV am Eingang “-7dB” und bei 7.5mV – “-10dB”.
Rechnerisch kommt raus, dass bei “30” müsste die Vollaussteuerung bei ca. 3.2mV RMS kommen.

Der LS-5 ist also bei dem Line-in um gute 18dB (!) weniger empfindlich, als der Sony.
Beim Mikrofoneingang sieht die Sache anders. Auf “Low” ist der Olympus um 12dB weniger empfindlich, auf “High” – um 8dB empfindlicher.

Fazit, oder für die quer zur Mathe

Ein Line-Pegel (-10dBv) bringt den Olympus auf ca. -12dB (FSR).
Das Nennpegel (-6dBv) hat noch ca. 8dB Headroom.
Beim Nennpegel vom Mikrofon (-39dBv) bleibt noch ca. 3dB Luft.

Rauschabstand

Das Ganze relativiert sich beim Betrachten des Rauschabstandes. Man muss hier zwei Sachen berücksichtigen:

  1. Das Grundrauschen beim Sony sinkt mit dem eingestelltem Aufnahmepegel. Beim Olympus bliebt das Rauschen konstant und hängt nur von der Einstellung des “MIC SENSE” Schalters.
  2. Nennempfindlichkeiten unterscheiden sich bei beiden Geräten. Um Äpfel mit Äpfel vergleichen zu können habe ich mich entschieden, für die Berechnungen ein Line-In Signal mit 775mVrms und ein Mikrofon mit 10mVrms anzunehmen.

Wenn man den Sony auf “20” einstellt, also passend zum Signal mit 775mVrms (0dBv), liegt sein Rauschen bei -76dB.
Olympus eingestellt auf “10” hält sein Rauschen auf ca. -85dB.
Die Zahlen stimmen für beides, Line-In und Mikrofoneingang (auf Low bei Olympus).
Bei schwächerem Mikrofonpegel wird’s schlimmer, der Olympus auf “High” hat das Rauschen auf -65dB, der Sony auf “30” rauscht mit -60dB und bringt 8dB weniger Verstärkung auf die Waage.

Frequenzgang

Nachdem ich im Netz von “low-frequency roloff” usw. gelesen habe, beschloss ich gleich noch den Frequenzgang zu überprüfen. Da ich das Ganze sowieso schon am Funktionsgenerator hängen gehabt habe, war es rück-zück erledigt.
Ein Durchlauf von 5Hz bis 50kHz, aufgezeichnet in WAV 96kHz/24bit, ausgewertet nach Amplitude FSR:

Man sieht klar, dass die Angaben von “20Hz-44kHz” nicht nur eingehalten, aber nach unten deutlich übertroffen werden – bei 5Hz hat man gerade die -3dB erreicht.

Mikrofoneingang hat aber einen eindeutigen Hochpass mit 20Hz als Eckfrequenz eingebaut. Das ist weitgehend nicht so schlimm, als in einigen Foren beschrieben – da redet man von einem 60Hz low-cut. Bei 60Hz ist der Mikrofoneingang um nicht mal 1dB schwächer, als bei 1kHz. Also keine Panik, die 20Hz-44kHz gelten auch für Mikrofon.

Was auffällt ist aber, dass ein mit eingeschaltetem Low-Cut aufgenommene Signal einen um 3.8dB geringeren Pegel hat, als ein ohne Bandbreitebegrenzung. Ich habe die Messung mangels weiteren Zugang zum Funktionsgenerator nicht wiederholen können, wenn es aber stimmt, dann bringt der Low-Cut Filter eine zusätzliche Dämpfung mit.

Hier, zum Vergleich, die gleichen Kurven für Sony ICD-SX750. Da ich mit gleichen Eingangspegel messen wollte, musste ich die Verstärkung im Rekorder kleiner stellen.

Da sieht man eindeutig, dass die Bandbreite deutlich schmäler ist, als das, was LS-5 anbietet.

Frequenzgang – normalisiert

Mikrofoneingang, 10mV sinus, 5Hz-50kHz. Achtung! Vertikale Skala ist SEHR stark vergrößert! Die Abszisse ist die -6dB Linie!

Technik, technik, aber wie hört es sich an?!

Gut. LS-5 liefert einen natürlichen Ton.
Ich bin zufrieden, aber wie gesagt, ich bin ja kein Musiker und meine Ohren sind nicht so fein.
Auf jedem Fall ist der Eindruck der Räumlichkeit besser geworden, die Töne klingen satter und detaillierter. Den Messungen zu trotz habe ich das Gefühl, dass der Sony ein Bisschen weniger Rauscht – mag an dem Spektrum des Rauschens liegen.

Man muss auch fairerweise sagen, dass gerade bei menschlichen Stimmen ist die eingeschränkte Bandbreite des Sonys gar nicht nachteilig. Der LS-5 liefert einen natürlicheren Ton, aber aus dem SX750 mag oft eine verständlichere Aufnahme kommen. Das ist so ein Bisschen wie ein Unterschied zwischen einem Richtmikrofon und einer Kugel, nur nicht in Räumlichkeit sondern in Frequenzgang.

Und jetzt eine Aufnahme:
Ein Mix aus dem LS-5 und (auf der Kamera montierten) Rode Video Mic Pro (Stereobild kommt 100% vom LS5, da VideoMico mono ist):

Ende Teil I – demnächst schreibe ich über die Bedienung usw.

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